Diese Frage wird uns immer wieder gestellt. Nicht jede Katze, die allein unterwegs ist, ist tatsächlich herrenlos. Gerade in der Schweiz haben viele Katzen freien Auslauf und können sich weit von ihrem Zuhause entfernen. Bevor man handelt, lohnt sich daher eine sorgfältige Abklärung.
1. Die Situation beobachten
Wirkt die Katze gepflegt, genährt und zutraulich, handelt es sich häufig um eine Freigängerkatze aus der Nachbarschaft. Selbst wenn sie regelmässig im Garten erscheint oder den Eindruck macht, als suche sie Kontakt, bedeutet dies nicht automatisch, dass sie kein Zuhause hat.
Anders sieht es aus, wenn die Katze deutlich abgemagert, verletzt, krank, orientierungslos oder verwahrlost wirkt. In solchen Fällen sollte rasch gehandelt werden.
2. Die Katze nicht füttern
Auch wenn es gut gemeint ist: Füttern Sie die Katze nicht vorschnell.
Dafür gibt es mehrere wichtige Gründe:
- Es könnte sich um eine Nachbarskatze handeln, die ein Zuhause und eine regelmässige Versorgung hat.
- Durch das Füttern kann eine Katze ihrem eigentlichen Zuhause entfremdet werden und beginnt, bevorzugt andere Orte aufzusuchen.
- Manche Katzen erhalten aufgrund von Krankheiten spezielle Diäten oder medizinisches Futter.
- Andere leiden unter Allergien oder Unverträglichkeiten und dürfen bestimmte Futtermittel nicht fressen.
Frisches Wasser anzubieten ist in der Regel unproblematisch, auf Futter sollte jedoch verzichtet werden, solange die Situation nicht geklärt ist.
3. Nach einem Besitzer suchen
Fragen Sie in der Nachbarschaft nach, ob die Katze bekannt ist. Oft wissen Anwohnerinnen und Anwohner schnell, zu wem das Tier gehört.
Hilfreich sind auch:
- lokale Facebook-Gruppen,
- Quartier- oder Dorfgruppen,
- WhatsApp-Chats,
- Aushänge in der Umgebung.
Ein Foto sowie Angaben zum Fundort und Zeitpunkt erleichtern die Identifikation.
4. Chip kontrollieren lassen
Die meisten Hauskatzen sind heute gechippt. Tierarztpraxen können den Mikrochip in wenigen Minuten kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr auslesen.
Ist ein Chip registriert, kann der Halter häufig direkt kontaktiert werden.
5. Vermisstmeldungen prüfen
Kontrollieren Sie die Vermisstmeldungen bei der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ). Viele vermisste Katzen werden dort von ihren Besitzern gemeldet.
Vergleichen Sie:
- Fellfarbe und Zeichnung,
- Geschlecht,
- besondere Merkmale,
- Fundort und Umgebung.
6. Fundmeldung erstellen
Wenn sich kein Besitzer ermitteln lässt, empfiehlt es sich, eine Fundmeldung bei der STMZ zu erfassen. Dadurch kann die Katze mit bestehenden Vermisstmeldungen abgeglichen werden und Besitzer werden auf den Fund aufmerksam.
Je genauer die Angaben und Fotos sind, desto grösser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Zuordnung.
7. Bei Krankheit oder Verletzungen zum Tierarzt
Wenn die Katze offensichtlich krank, verletzt oder stark geschwächt wirkt, sollte sie möglichst zeitnah tierärztlich untersucht werden.
Typische Warnzeichen sind:
- sichtbare Verletzungen,
- starker Gewichtsverlust,
- Atemprobleme,
- stark verklebte Augen,
- Lahmheit,
- Apathie oder Orientierungslosigkeit.
In solchen Fällen sollte nicht abgewartet werden.
8. Tierschutzorganisationen kontaktieren
Wenn kein Besitzer gefunden werden kann oder die Katze Hilfe benötigt, können örtliche Tierschutzvereine, Tierheime oder Katzenhilfen beratend unterstützen und das weitere Vorgehen mit Ihnen besprechen.
Zusammengefasst
Bevor eine vermeintliche Streunerkatze aufgenommen oder gefüttert wird, sollte immer geprüft werden, ob sie tatsächlich herrenlos ist. Nachbarschaftsabklärungen, Chipkontrolle, die Suche nach Vermisstmeldungen sowie eine Fundmeldung bei der STMZ sind die wichtigsten Schritte. Bei Krankheit oder Verletzungen sollte die Katze rasch einem Tierarzt vorgestellt werden. Durch besonnenes Handeln helfen Sie sowohl der Katze als auch ihren möglichen Besitzern am besten.
