Wenn der Tierschutz verstummt
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07.14.2026

Die meisten Menschen gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass Hilfe kommt.

Dass jemand ans Telefon geht.

Dass ein verletzter Hund versorgt wird.

Dass ein ausgesetztes Kaninchen nicht sich selbst überlassen bleibt.

Dass ein krankes Katzenbaby aufgenommen wird.

Dass mitten in der Nacht jemand losfährt, wenn ein Tier leidet.

Doch haben wir uns jemals gefragt, wer all das eigentlich möglich macht?

Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Tierschutzvereine und ihre Ehrenamtlichen.

Menschen, die Tag und Nacht erreichbar sind. Menschen, die keine Dienstpläne kennen und keinen Feierabend haben. Menschen, die sofort handeln, wenn Behörden Unterstützung benötigen, wenn Veterinärämter Tiere sicherstellen oder wenn irgendwo ein Lebewesen dringend Hilfe braucht.

Innerhalb kürzester Zeit werden Pflegeplätze organisiert, Tierärzte informiert, Transporte koordiniert und Lösungen gefunden – oft unter enormem Zeitdruck und mit viel zu wenigen Ressourcen.

Doch was wäre, wenn genau diese Menschen irgendwann nicht mehr könnten?

Was wäre, wenn das Telefon unbeantwortet bliebe?

Wenn Tierschutzvereine ihre Erreichbarkeit auf gewöhnliche Bürozeiten beschränken müssten?

Wenn nachts niemand mehr einen Chip ausliest, am Wochenende niemand mehr ausrückt und Notfälle bis zum nächsten Werktag warten müssten?

Wer würde diese Aufgaben übernehmen?

Wer würde die vielen Tiere versorgen, für die es sonst niemanden gibt?

Wer würde die Verantwortung tragen, wenn Behörden schnelle Hilfe benötigen?

Die Wahrheit ist unbequem.

Unser Tierschutzsystem stützt sich an unzähligen Stellen auf Vereine und Ehrenamtliche, die längst weit mehr leisten, als jemals von ihnen erwartet werden dürfte. Ohne ihren Einsatz würden viele Abläufe schlicht nicht mehr funktionieren.

Seit Jahren verzichten diese Menschen auf Freizeit, Schlaf und Zeit mit ihren Familien. Sie stellen ihre Fahrzeuge, ihre Häuser und ihr Wissen zur Verfügung. Sie nehmen Tiere auf, fahren nachts los und strecken Tierarztkosten vor – häufig, ohne zu wissen, wie die nächste Rechnung bezahlt werden soll.

Und dennoch scheint genau das selbstverständlich geworden zu sein.

Es wird erwartet, dass immer jemand erreichbar ist.

Dass immer ein Platz gefunden wird.

Dass immer geholfen werden kann.

Doch auch Ehrenamtliche haben Grenzen.

Sie sind keine Behörde.

Sie sind keine staatliche Einrichtung.

Sie sind Menschen.

Menschen, die jeden Tag versuchen, das Unmögliche möglich zu machen.

Während die Zahl der Notfälle immer weiter steigt, wachsen gleichzeitig die finanziellen Belastungen. Fundtierkosten werden vielerorts nicht vollständig übernommen, zugesagte Unterstützungen bleiben aus und immer mehr Tierschutzvereine kämpfen inzwischen um ihre eigene Existenz.

Deshalb müssen wir uns heute eine Frage stellen, bevor sie uns die Realität beantwortet:

Was passiert, wenn der Tierschutz nicht mehr kann?

Wenn Vereine ihre Arbeit einstellen müssen.

Wenn keine Pflegeplätze mehr organisiert werden können.

Wenn niemand mehr ans Telefon geht.

Dann gibt es nicht einfach weniger Hilfe.

Dann gibt es für viele Tiere überhaupt keine Hilfe mehr.

Dieser Text richtet sich deshalb an Behörden, Veterinärämter, politische Entscheidungsträger und an unsere gesamte Gesellschaft.

Hört auf, den Einsatz von Tierschutzvereinen als selbstverständlich anzusehen. Ehrenamt darf staatliche Aufgaben nicht dauerhaft ersetzen. Idealismus bezahlt keine Tierarztrechnungen. Engagement schafft keine Unterbringungsplätze und füllt keine Futternäpfe.

Wer möchte, dass Tiere auch in Zukunft gerettet, versorgt und geschützt werden, muss endlich die Menschen unterstützen, die diese Verantwortung seit Jahren tragen.

Nicht mit Dankesworten.

Nicht mit Anerkennung allein.

Sondern mit Respekt.

Mit echter Zusammenarbeit.

Mit verlässlicher Unterstützung.

Und mit einer Finanzierung, die den Tierschutz langfristig sichert.

Noch sind wir da.

Noch helfen wir.

Noch kämpfen wir – Tag für Tag.

Doch niemand kann dauerhaft erwarten, dass Ehrenamtliche unbegrenzt leisten, was eigentlich eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe ist.

Wenn wir jetzt nicht handeln, wird der Tag kommen, an dem auf die Frage „Wer hilft?” keine Antwort mehr existiert.

Und dann wird es für unzählige Tiere still.

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